Am Samstag, 16.08.2025 verwandelte das Straßentheater-Festival "Till the sky" die Hanauer Fußgängerzonen und Plätze zwischen 13:00 und 19:00 Uhr in eine Open-Air-Theaterbühne.
Gezeigt wurden Artistik, Akrobatik, Jonglage und eine magische Revue. "Umsonst und quer durch die Innenstadt" konnte man zwischen den Spielorten Stadthof (Salzstraße), Freiheitsplatz und Altstädter Markt hin und her pendeln.
Dazwischen waren in den Fußgängerzonen verschiedene weitere Walking-Acts – etwa von "Cirque-Artikuss" - unterwegs, um die Besucher der Innenstadt auf ihre Art zu unterhalten und auf die verschiedenen größeren Aufführungen aufmerksam zu machen.
Auch das Spielmobil Augustinchen war in das Festival einbezogen. Das ganze Festival fand bei sehr angenehmen, sommerlichen Witterungsbedingungen statt. Nur die gelegentlichen Windböen machten den Künstlern gelegentlich ein wenig zu schaffen.
Am frühen Nachmittag startete das Geschehen direkt neben dem Stadthof. Hier trat der Jongleur und Artist "Chriss Breuning" auf. Die Show begann mit "einfacher" Jonglage mit einer sich steigernden Anzahl von Bällen. Dazu kamen auch mal sein Hut oder eine Ukulele als Jonglage-Objekte hinzu.
Anschließend folgte eine humorvolle Magie-Einlage mit dem Zauberei-begabten Gummi-Huhn Hannelore, dass auf magische Weise Eier (aber bei Bedarf auch Himbeerbrause für die jüngeren Helfer) in einen Beutel legen konnte.
Dass man auch gefüllte Sektgläser auf einem Besen balancieren und jonglieren kann, ohne dass dabei auch nur ein Tropfen verlorengeht, stellte Breuning ebenfalls bei einer seiner Übungen unter Beweis.
Zum Abschluss der jeweiligen Show folgte jeweils eine besonders anspruchsvolle Feuerjonglage auf dem Einrad. Für alle Teile der Show zog der Artist immer wieder Menschen aller Altersklassen als Helfer hinzu – etwa um die brennenden Fackeln anzureichen oder um Huhn Hannelore zum Legen zu bringen.
Sowohl die kleinen als auch die großen Zuschauer waren zum Ende der Show komplett begeistert.
Eine Zauber-Revue besonderer Art boten "The Sideshow Charlatans" auf der kleinen Bühne vor dem Goldschmiedehaus am Altstädter Markt. Leider war diese Spielstätte wohl etwas zu abgelegen, so dass sich hier etwas weniger Publikum einfand. Vielleicht war Weg auch zu weit, so dass – trotz Hinweis auf die nächste Show – nicht all zu viele Zuschauer die Strecke quer durch die ganze Innenstadt zurücklegen wollten.
Dort präsentieren die beiden Artisten Sia und Thomas Thompson (England/Deutschland) in ihrer mehrfach prämierten "SchaubudenZauberRevue" eine stilvolle Show mit zahlreichen verblüffenden Tricks und Illusionen, die so auf deutschen Bühnen kaum zu sehen sind.
Präsentiert und moderiert wurden die Attraktionen der Show von Mr. Thompson. Ausgeführt wurden die Kunststücke dann zumeist von seiner Frau der "unheimlich begabten und vielfach talentierten" Ms. Thompson.
Darunter gab es u. a. eine eigene Version von "Ich sehe was, was Du nicht siehst", bei der Ms. Thompson mit verbundenen Augen, die Zahl von ausgestreckten Fingen von hinter ihr gruppierten Personen aus dem Publikum erkannte oder auch bei gesteigertem Schwierigkeitsgrad Spielkarten nach Wert und Farbe zuordnen musste.
Unerklärlich erschien es auch, wenn bestimmte Berührungen durch ihren Mann von Ms. Thompson ohne direkte Verbindung auf eine andere Person aus dem Publikum übertragen wurden.
Eindrucksvoll auch die kuriose Geisterbeschwörung bei der das gefesselte Medium, Sia Thompson hinter einem Vorhang auf unmögliche Weise mit der Geisterwelt und diversen Gegenständen interagierte. Zuerst flogen dabei nur Gegenstände wie bei einem Poltergeist. Dann war sie jedoch auch plötzlich in eine Jacke gehüllt – scheinbar, ohne dass die Fesseln gelöst wurden.
Am Freiheitsplatz erscheint zu Beginn des Stücks die Beziehung von Mr. und Mrs. Twistly etwas angespannt. Das geplante gemeinsame nachmittägliche Kaffeetrinken verläuft nicht ganz so harmonisch wie geplant. Dabei kommt es zu einigen absurden Szenen, bei denen schließlich auch mal der Socken in der Tasse landet.
Mr. Twistly liest in einer Ausgabe der "Upper Wilkenshire Post" von 1923, dass Tanz die Beziehung retten könne. Sofort wird das Grammophon in Gang gesetzt. So kann das Paar seine Charleston-Tanzschritte zu den musikalischen Klängen üben. Doch kurz darauf spielt das Gerät verrückt und gibt letztendlich rauchend seinen Geist auf.
Nun muss gemeinsam improvisiert werden. Aus dem großen Grammophon lassen sich – nach Lektüre eines Handbuchs für Grammophon-Anatomie – immer kleinere Versionen erzeugen und es gibt zudem auch winzige Platten. Dennoch laufen auch diese Geräte nur eine kurze Zeit.
Mit einigen Requisiten aus der Wohnung, wie etwa einem Lampenschirm, lässt sich aber eine Art neues, großes Grammophon basteln und hoch in der Luft an einem chinesischen Mast anbringen.
Allerdings wurden dabei die Tonträger vergessen, so dass nun der eigentliche artistische Teil der Show einsetzt. Die Partner schaffen die Schallplatten mit verschiedenen dynamischen luft-akrobatischen Übungen schließlich bis ganz nach oben.
Dabei wird nun quasi der ursprüngliche Tanz – in schwindelnder Höhe – auf atemberaubende, artistische Weise mit virtuoser Körperbeherrschung fortgesetzt. Dabei ging es – flink wie die Eichhörnchen – den Mast herauf und wieder herunter. Vorgeführt wurde das Stück von den beiden Zirkusartisten "Kira & Anders", die sich – auch privat ein Paar – auf chinesischen Mast, Partnerakrobatik und Luftakrobatik spezialisiert haben.
Beide touren schon seit 2018 mit der gezeigten Performance "Das fantastische Grammophon" durch Deutschland und die europäischen Nachbarländer. Durch die Verknüpfung von artistischer Akrobatik, Comedy und humoristischen Slapstick-Einlagen, gelang es ihnen auch in Hanau das Publikum auf dem Freiheitsplatz mit ihren beiden abwechslungsreichen Auftritten zu begeistern.
Eine ganz besondere Trampolin-Show präsentierte – jeweils im Anschluss direkt nebenan – das artistische "Duo Aramelo" am Forum.
Dabei gelang es den beiden Artisten virtuose und trickreiche Trampolin-Artistik mit witzigen und selbstironischen Einlagen in einer ungewöhnlichen Art der Partner Akrobatik miteinander zu verknüpfen, so dass das Publikum nicht nur von den anspruchsvollen Übungen fasziniert sondern auch auch durch die komischen Elemente aufgeheitert wurde.
Viele Sprünge gingen wirklich sehr weit nach oben, so dass man auch bei diesem Auftritt dem Motto des Straßentheater-Festivals "Till the sky" durchaus gerecht wurde.
Die meisten Aufführungen wurden im Verlauf des Nachmittags bis in den frühen Abend hinein mehrfach präsentiert. Bei den beiden Spielstätten am Freiheitsplatz fanden sich hierzu immer die meisten Zuschauer ein.
Der erste Versuch eines Straßentheater-Festivals in der Hanauer City darf also durchaus als gelungen betrachtet werden auch wenn noch Luft nach oben bleibt. Die verschiedenen Aufführungen boten herausragende artistische Qualität und hätten sicherlich noch einiges mehr an Resonanz verdient gehabt. Nostalgische Erinnerungen an die früheren großen Veranstaltungen des Hanauer Kultursommers in der Innenstadt (z. B. am Schlossplatz) oder auch an das beliebte große Gauklerfest bei früheren Lamboyfest-Ausgaben konnten durchaus wach werden.
Sicherlich hätte mehr Publikum den Weg zu den verschiedenen Spielstätten finden können. Allerdings war auch die Hanauer Innenstadt insgesamt, gerade für einen Marktsamstag, nicht besonders gut gefüllt. Vielleicht hätten auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Spielstätten durch die "Walking Acts" oder auch durch Straßenmusikanten besser hervorgehoben werden können.
Im benachbarten Offenbach hat das dortige Internationale Straßentheaterfest, dass nun seit 5 Jahren stattfindet, schon eine größere Basis und einen höheren Bekanntheitsgrad beim Publikum gewonnen. Außerdem liegen die dortigen Spielstätten hauptsächlich rund ums Rathaus und am Aliceplatz und den angrenzenden Fußgängerzonen sehr nah beieinander, so dass das Publikum zwischen den Aufführungen keine allzu langen Strecken zurücklegen muss.Auch ist die Atmosphäre in der City der Nachbarstadt, man mag es kaum glauben, angenehmer als in Hanau – zumindest was innerstädtische Kultur-Veranstaltungen angeht.
Ob sich dies mit einem solchen Festival in der Brüder-Grimm-Stadt nachhaltig verbessern lässt, müsste sich künftig erst noch zeigen – falls so ein anspruchsvolles Event mittlerweile überhaupt noch dauerhaft etabliert werden kann.
Dass sich so ein Angebot, genauso wie andere Veranstaltungen, bei beschleunigtem wirtschaftlichem und sozialem Niedergang, damit einhergehenden kommunalen Finanzproblemen und gleichzeitig zunehmender Verarmung bzw. schleichender Enteignung der Bevölkerung – aufgrund von Ideologie-getriebenen politischen Fehl-Entscheidungen auf allen Ebenen – künftig noch verlässlich bestreiten lässt, erscheint fragwürdig.
Schon derzeit präsentieren sich die innerstädtischen Lagen weder als Kulturbereich noch als Einkaufsstandort besonders attraktiv, was sich an den zurückgehenden Besucherzahlen gut ablesen lässt. Auch der öffentliche Verkehr lässt immer mehr zu wünschen übrig. Ständig zunehmende Aggressivität sowie ausufernde Gewalttätigkeit und Kriminalität tragen – einhergehend mit inadäquaten "Sicherheitskonzepten" als Scheinlösungen – ebenfalls zu wachsendem Unbehagen in der "Erlebnisstadt" bei.
Der Absturz auf allen Ebenen wird sich letztendlich auch in Hanau immer klarer zeigen und in seinen Konsequenzen für alle Bürger, mit drastischen Einschnitten, erhöhten Abgaben und sinkender Lebensqualität, immer deutlicher spürbar sein. Für Kultur wird dort kaum noch ein Raum bleiben.