Vom 25. bis zum 27. September 2025 erstrahlte die Mainzer Innenstadt vom Jockel-Fuchs-Platz und der Rheingoldhalle bis hin zum Schillerplatz mit dem Osteiner Hof beim Lichtkunst-Event "Mainz leuchtet" erneut in besonderem Glanz. Wichtige Gebäude in der City wurden ein weiteres Mal mit unterschiedlichsten Licht- und Video- sowie Multimediaprojektionen illuminiert.
Rund 75.000 Menschen sollen sich, nach Angaben der Veranstalter, an den drei Abenden - trotz unbeständigen Wetters - in der Mainzer Innenstadt eingefunden haben, sowohl um die Lichtkunst zu bewundern als auch die umfangreichen Begleit-Angebote aus Einzelhandel und Gastronomie in Anspruch zu nehmen.
Insgesamt leuchteten einige Orte in der City mehr als im Vorjahr, bei anderen wurde dagegen etwas sparsamer mit der Beleuchtung umgegangen. Außerdem wurden neue Objekte in das Festival einbezogen.
Der Jockel-Fuchs-Platz wurde wieder einmal mit einer großformatigen Licht- und Audioinszenierung bespielt und so in eine surreal anmutende Stadt-Landschaft konvertiert. Im Südfoyer der Rheingoldhalle lud die Lichtinstallation "Flow" die Besucher dazu ein, sich durch ein Wechselspiel von analogen und digitalen Bildern zu bewegen.
Das Highlight war aber diesmal sicherlich die großformatige Projektion am Brückenturm neben der Rathausbrücke. Hier konnten die Schaulustigen – erfasst von Sensoren – das Erscheinungsbild der Fassade verändern und sich somit auch selbst in Pixelform in das entstehende und in stetiger Wandlung befindende Bild einbringen.
Am mainz STORE wurden mithilfe von Kameras und einer Programmierung Bilder auf die Fassade projiziert, sodass die Besucher eine "spielerische Möglichkeit" erhielten, "sich mit ihrer Gegenwart und Vergangenheit auseinanderzusetzen."
Im Zentrum der Veranstaltung stand auch in diesem Jahr wieder das Areal um den Mainzer Dom als wichtigstes Wahrzeichen der Stadt.
Am Ostchor mit seinen Türmen wurde eine abwechslungsreiche Projektion präsentiert, die die Fassadenelemente wieder mit einbezog. Der Bau sollte so zum "Resonanzkörper für eine taumelnde Suche nach der Balance zwischen Imagination, Geschichte und dem Gewebe des Augenblicks" werden.
Hin und wieder geriet die Projektion dann zum chaotischen Strudel, der das dahinterliegende Bauwerk mehr oder weniger zu verschlingen schien.
Auch die Elemente der Gebäudefront der St. Gotthard-Kapelle mit ihren altertümlichen Säulen und Bögen wurden durch eine farbige Projektion hervorgehoben. Dabei spielten das Spiel mit Licht und Schatten und die hierdurch entstehenden Kontraste eine besondere Rolle.
Am Staatstheater gab es diesmal "Schriftkunst" zu bewundern. Im Zentrum der Vorführung stand dabei die berühmte "Dreigroschenoper", die unter dem roten Mond des Londoner Stadtteils Soho spielt.
Durch großformatige Typografie sowie den Klang und die Bewegung der Buchstaben und der grafischen Elemente wurden einzelne Episoden des Stücks in dynamischer Form auf die Fassade gebracht.
Die funktionale Hauswand der Deutschen Bank wurde von den verantwortlichen Lichtkünstlern abwechselnd mit Raster-Effekten in Gerüstform überlagert und dann wieder kontrastierend in ein knallbuntes, sich ständig wandelndes Farbenmeer mit Flächen und Farbpunkten verwandelt, in dem die dahinter liegende Fassade sich nahezu aufzulösen schien.
Auf der Fassade des Gebäudes der Juwelier Leo Link GmbH wurde ein Einblick in die Welt von zwei verschiedenen Charakteren und deren Unterbewusstsein gewährt.
Am Osteiner Hof wurden gleich mehrere farbenfrohe Animationen voller Originalität und Chaos gezeigt. Der mit viel Liebe gezeichnete "Gottfried" sollte "Groß und Klein in seinen Bann ziehen" und so den Osteiner Hof, wie in den früheren Jahren, zu einem Erlebnis für die ganze Familie machen.
Dazu kam eine weitere Cartoon-artige Lichtshow mit torkelnden Tauben, die die nächtliche Fassade des Prachtbaus eroberten und so für ordentliches Durcheinander sorgten.
Am Kirschgarten (Fachwerkhaus der Fa. schué) wurde die Struktur der Fachwerk-Fassade als zentrales Gestaltungselement durch die Projektion hervorgehoben.
Die einzelnen Gefache des Gebäudes wurden dabei mit wechselnden Bildern und Animationen erleuchtet und eine romantisch-mystische Atmosphäre erzeugt.
Erstmals wurde auch der nicht ganz so bekannte "Alte Dom St. Johannis" Teil des Events.
Dort zeigte sich auf den Wänden "verborgenes Leben." Riesige projizierte Pilze breiteten sich dort aus und verwiesen so "auf ein organisches Netzwerk, das alles miteinander verbindet."
Zu den ganzen beleuchteten Bauten kam auch noch die Event-Party "KUZ leuchtet – Voll laser wie du abgehst" mit einer Pop-up Club Tour der Studierenden und den entsprechenden mobilen Projektionen für die so entstehenden urbanen Tanzflächen z. B. am 26.09. auf dem Leichhof.
Ein Gruß kam auch wieder von der anderen Rhein-Seite, wo am "Kasteler Strand" die "Bastion von Schönborn" in rote Farben getaucht war.
Veranstaltet wurde das Festival von der mainzplus Citymarketing GmbH in Kooperation mit der Landeshauptstadt Mainz. Konzipiert wurden die verschiedenen Installationen vom Studiengang "Zeitbasierte Medien" des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Mainz. Im zentral gelegenen LUX-Pavillon war eine Ausstellung zu den Arbeiten für das Festival zu sehen.
Zahlreiche Geschäftsleute, Gastronomen und verschiedene Einrichtungen haben dabei mit eigenen Leuchteffekten ebenfalls zur wunderschönen und fröhlichen Gesamtstimmung in der Mainzer City beigetragen.
Es wäre schön, wenn dieses besonders gelungene und kreative Festival in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt auch in der Zukunft gesichert stattfinden würde. Damit könnte es sich als das Lichtkunst-Event in der Rhein-Main-Region etablieren, das Interessierte auch weit über die Grenzen der Region hinaus nach Mainz zu locken vermag.