Buntes Markttreiben beim Stadtfest zu 855 Jahre Gelnhausen
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Für knapp drei Tage konnte man am letzten Juni-Wochenende im hessischen Gelnhausen – zum Gedenken an die Verleihung der Stadtrechte vor 855 Jahren durch den Staufer-Kaiser Friedrich I., Barbarossa – wieder einmal in ein buntes und abwechslungsreiches mittelalterliches Markttreiben eintauchen.
Im Festbereich gab über 80 Stände. Händler und (Kunst-) Handwerker boten vielfältige Waren und Accessoires aus den Bereichen Gewandung, Schmuckgestaltung, Geschirr, Dekoration oder Holzhandwerk und Kunst-Keramik an. Dazu kamen auch exotische Düfte, Salben, Seifen oder Öle.
Dazu kamen auf den Plätzen und Gassen der Altstadt sowie auf der Müllerwiese und im Bereich der historischen Kaiserpfalz ein umfangreiches Kulturangebot mit jeder Menge mittelalterlicher Musik, Gaukelei, Tanz und Theater. 23 Künstler und Gruppen waren jeweils bis in den Abend hinein auf den verschiedenen Bühnen oder als Walking Acts einfach mitten im Publikum unterwegs.
Ca. 2.000 Mitwirkende und engagierte Helferinnen und Helfer waren auch in diesem Jahr im Einsatz, um die Großveranstaltung zu stemmen. Zahlreiche städtische Vereine und Institutionen haben hierbei ebenfalls mitgewirkt.
Mit dutzenden Zelten hatten mittelalterliche Gruppen und Ritterschaften sogar eigens eine kleine Zeltstadt unweit des Kinzigufers errichtet.
Ein Höhepunkt der drei Tage war die dramatische Theater-Inszenierung der historischen Ereignisse beim "Reichstag zu Geylenhusen anno 1180."
Dort besiegelte Staufer-Kaiser Friedrich I, Barbarossa letztendlich das Urteil gegen seinen Vetter Heinrich den Löwen aus dem Geschlecht der Welfen, der bei diesem Anlass entmachtet wurde und seine Herzogtümer Sachsen und Bayern verlor.
Das Stück, das mehrfach in der Kaiserpfalz aufgeführt wurde, demonstrierte dabei eindrucksvoll die Ränkespiele der Fürsten rund um Barbarossa, die letztendlich weitreichende Auswirkungen auf die künftige Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches haben sollten.
Im Rahmen der Historischen Stadtrechtsfeier wurde als Attraktion auch ein originalgetreu interpretiertes Tjost-Turnier – mit ritterlichem Lanzenwettkampf zu Pferde – gezeigt.
Dabei wurde von den teilnehmenden Darstellern, die über langjährige Erfahrung in der historischen Reiterei und Rüstungskunde verfügten, eine auf historischen Quellen basierende Darstellung des ritterlichen Wettkampfes geliefert.
Allerdings wurden zum Schutz der Tiere einige Paarungen vorzeitig aus dem Turnier genommen, weswegen der ganze Ablauf letztendlich etwas verkürzt war.
Im Bereich des Musikprogramms sorgten "des Teufels Hofmusikanten" die "Spilldeyvel" aus den Trierer Landen mit ihrem großen Repertoire an eigenen Stücken sowie ihren eindrucksvollen Masken und Kostümen für beste Unterhaltung. Dabei verließen sie auch gelegentlich die Bühne und luden ihre zahlreich erschienenen Zuschauerinnen und Zuschauer gerne zum eifrigen Mittanzen ein.
Durch zahlreiche Auftritte auf Märkten in der Rhein-Main-Region bekannt, konnten die "Spielleute des Donners" von der Gruppe "Tarranis" mit ihren Dudelsack-Klängen und treibenden, tanzbaren Rhythmen, auch bei großer Hitze und prallem Sonnenschein, ihr Publikum überzeugen.
Die längst legendären "Streuner", die seit nunmehr 30 Jahren aus der musikalischen Mittelalterszene nicht mehr wegzudenken sind, waren auch im Jahr 2025 wieder einmal in Gelnhausen zu Gast. Die Band präsentierte in historischer Gewandung traditionellen Mittelalter-Folk mit romantischen, lästerlichen und humorvollen Texten.
Die einheimische Tanzgilde "Laikan" zeigte auf Bühnen und Plätzen zu verschiedenen Tageszeiten eine große Auswahl an historischen Tänzen. Gaukelei, Stelzenlauf, Jonglage sowie Feuer- und Tanzshows kamen an verschiedenen Plätzen von der Gruppe "Lux Aeterna" oder dem Duo "Forzarello."
Die bekannten "Humorjongleure" von "Forzarello" pflegten auch in Gelnhausen Ihre hohe Kunst mit Keulen, fliegenden Trommelstöcken, brennenden Fackeln sowie einer selbstironischen Inszenierung beim Auftritt.
"Lux Aeterna" erwiesen sich in der Barbarossa-Stadt schon als artistische "Alleskönner." Sie präsentierten Gruppen-Jonglagen, anspruchsvolle gymnastische Übungen, orientalischen Tanz magische Geschichten und vieles mehr.
Der Höhepunkt Ihrer vielfältigen Auftritte war dabei sicherlich die dynamische und virtuos vorgetragene Feuershow auf der Obermarkt-Bühne am späteren Samstagabend.
Bei der Gastronomie gab es in allen Festbereichen ein reichhaltiges Angebot von süß und pikant hin zu deftig und scharf. Überall duftete es herzhaft nach Gebratenem und Gegrilltem. Aber auch die Freunde von Crêpes oder sonstigen Süßspeisen kamen mit ihren Bedürfnissen nicht zu kurz.
Getränke gab es an den zahlreichen Tavernen und Schenken in alkoholischer – und bei der Hitze besonders wichtig – auch in nicht-alkoholischer Form. Met und Bier flossen in Strömen, aber auch Wasser oder Eistee waren sehr begehrt. Dazu kamen Stände mit Spezialitäten wie Beerenwein, oder einem reichhaltigen Weinangebot aus der Gelnhäuser Partnerstadt Clamecy.
Für die kleinen Gäste gab es beispielsweise eine "Mitmachschmiede." Weitere Angebote für den Nachwuchs waren u. a. mittelalterliche Karussells und Spielangebote wie "Rattenwerfen", Mäuse-Roulette, Katapult- oder Armbrustschießen sowie Kamel- und Ponyreiten.
Das Angebot beim Gelnhäuser Stadtfest war somit auch in diesem Jahr überaus umfangreich, sodass man als Gast kaum alle Veranstaltungsorte und Vorführungen aufsuchen konnte.
Eine Besonderheit ist, dass diese Stadtrechts-Feier nur alle fünf Jahre stattfindet und – gerade in früheren Jahren – immer wieder ein herausragendes und überregional bedeutsames Event für die Mittelalter-Fans und die Mitglieder der Szene darstellte, was sich auch immer wieder im umfangreichen Veranstaltungs-Angebot und bei den entsprechenden Besucherzahlen niederschlug.
Leider litt aber auch dieses Großevent, wie etliche andere vergleichbare Veranstaltungen in jüngster Zeit, augenscheinlich an einem Einbruch bei den Besucherzahlen. Während in früheren Jahren (insbesondere vor 2020), alle Bereiche von der Müllerwiese bis hin zum Obermarkt nahezu durchgängig gut besucht waren und auf den Plätzen und vor den Bühnen oft ein dichtes Gedränge herrschte, blieb es – zumindest am Samstag (eigentlich der Haupttag der Veranstaltung) – bis zum späteren Nachmittag eher ruhig.
Während bei früheren Stadtfesten häufig auch bundesweit bekannte Acts (mit großen Fangruppen) in Gelnhausen zu Gast sein konnten, waren solche Auftritte bei dieser Auflage weitgehend reduziert worden.
Dazu kommt vermutlich, dass sich zahlreiche Menschen die immer stärker angestiegenen Kosten (z. B. bei den Eintrittspreisen und bei der Gastronomie) für einen solchen Festbesuch wirtschaftlich einfach nicht mehr erlauben können.
Auch ließen die zunehmend erforderlich werdenden Sicherheitsmaßnahmen – mit den damit einhergehenden Absperrungen oder den bereits im Vorfeld angekündigten Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen – einem unbeschwerten Festvergnügen wesentlich weniger Raum als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Bei potentiellen Besucherinnen und Besuchern schon vorhandene Sicherheitsbedenken lassen sich so aber kaum wirklich zerstreuen.
Medial immer wieder verbreitete Schreckensszenarien zu den ach so unerträglichen sommerlichen Witterungsbedingungen könnten vermutlich auch zu einer Zurückhaltung bei möglichen Gästen beigetragen haben.
Bedauerlich auch, dass die unsäglichen Geschehnisse um die sexuelle Belästigung von Mädchen im Gelnhäuser Schwimmbad durch den hinlänglich bekannten Täterkreis, dafür sorgten, dass die Barbarossa-Stadt mit ganz anderen Schlagzeilen bundesweit für Medien-Furore sorgte als eben mit dem an sich gelungenen historischen Stadtfest.