Wieder einmal verwandelte sich ein Großteil der Altstadt mit ihren historischen Fachwerkgebäuden, Gassen, Plätzen und der mächtigen Festungsanlage in die Kulisse für eine mittelalterliche Veranstaltung mit ganz besonderem Flair. Schon am Vorabend wurde in den Gräben vor der Stadtmauer im dortigen Lager gefeiert.
Passend zum diesjährigen Motto "Turnier der Tapferen, Schatten der Schuld" wurde als besonderes Highlight auf dem etwas abgelegenen Sportplatz ein großes Ritterturnier sowie am späteren Samstagabend eine Feuershow geboten.
Dort konnten die zahlreich erschienenen Zuschauer spannenden Kämpfen zu Fuß und zu Pferd mit einer fantastischen Rahmenhandlung beiwohnen. Von den Akteuren und Helfern des renommierten "European-Horse-Show-Team" aus Dieburg wurde unter dem Titel "Die Schuldmünze des Drachenjägers" eine eindrucksvolle Fantasy-Inszenierung mit zahlreichen klassischen Turnierelementen wie Bogenschießen, Ringelstechen oder Lanzenkampf präsentiert.
Die Kämpferinnen und Kämpfer zeigten dabei Reit- und Kampfkunst auf höchstem Niveau. Aber auch im Bodenkampf ging es - mit einigen feurigen Elementen - immer wieder richtig zur Sache.
Erzählt wurde die Geschichte um König Eridan und seinen Gegner, den Drachenjäger Zartog mitsamt seiner kämpferischen "Hexenbrut." Dabei ging es in dem Turnier um nichts weniger als die Zukunft des Reiches, aber auch um die Erfüllung der romantischen Liebe zwischen dem tapferen Königssohn und der lieblichen Elfe Lyra.
Belohnt wurde die herausragende Leistung des gesamten Teams vom langanhaltenden Applaus des begeisterten Büdinger Publikums.
Ergänzt wurde das große Turnier noch durch den Auftritt einer Kämpfergruppe aus der rumänischen Partnerstadt von Büdingen, Sebes (dt. Mühlbach in Siebenbürgen), die extra zum Mittelalterfest über 1.500 Kilometer angereist waren.
Nachteilig war nur, dass – wenn man das Turnier-Erlebnis genießen wollte – insgesamt weniger Zeit übrig blieb, um die vielfältigen Auftritte und Vorführungen in der Altstadt zu verfolgen. Denn auch in diesem Jahr gab es natürlich wieder ein großes Aufgebot von Künstlern, Gauklern sowie Tänzern und Musikgruppen, die das mittelalterliche Fest mit ihren vielfältigen Darbietungen bereicherten.
Zu den Stammgästen bei den Events in Büdingen zählt nun schon länger das Trio von "RatzFatz & Rübe" aus dem nahe gelegenen Langenselbold, die mit ihren Konzerten sowie Klängen auf Sackpfeifen und Trommeln zahlreiche begeisterte Fans zu den diversen Auftrittsorten zogen.
Dazu kamen u. a. "die Spielleute des Mittelalters", die "Skalden" mit "geballter Dudelsackpower", aber auch die Piraten-Musikanten "Die Füchse" mit eher folkigen Klängen und Tavernenmusik - mal witzig, mal durchaus besinnlich.
Verantwortlich für das übliche Chaos zeichnete der Feuerspucker und Jongleur "zack.der.beutelschneider" bei seinen verschiedenen Auftritten. Jongliert wurde dabei sowohl mit Worten als auch mit scharfen Gegenständen und mit Fackeln. Gefehlt haben in diesem Jahr leider die beliebten Auftritte der Kontaktjongleurin "Kerry Balder", die Ihre Bühnen-Karriere aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste.
Für kleine Ritter und Prinzessinnen wurde ebenfalls wieder einiges geboten. Für viel Spaß sorgte dabei ein "brutales" Kinder-Ritterturnier präsentiert von "World of Magic."
Dazu kamen Kamel- und Ponyreiten im Umfeld des Viehmarkts. Dort konnte man auch die Ziegen von "Luckys Ziegengespann" in ihrem Gehege in Augenschein nehmen oder eine Fahrt mit dem Gespann unternehmen.
Großes Interesse erweckte auch der Falkner Dirk Heinrich mit seinen Greifvögeln, Eulen und Uhus bei verschiedenen Vorführungen und Vorträgen.
Bei der Gastronomie gab es in allen Festbereichen ein reichhaltiges Angebot von süß und pikant hin zu deftig und scharf. Getränke wurden an den zahlreichen Tavernen und Schenken in alkoholischer und nicht-alkoholischer Form ausgeschenkt. Eine Besonderheit war der Stand des "Deutschen Bratwurstmuseums" aus dem thüringischen Mühlhausen.
Vom Schlossplatz bis hin zum Jerusalemer Tor und auf dem Viehmarkt waren wieder zahlreiche Verkaufsstände zu finden, an denen diverse Händler, Handwerker und Künstler Waren aus den unterschiedlichsten Bereichen feil boten.
Während es sonst eigentlich in den Vorjahren in Büdingen während der Mittelalterfeste nahezu immer sehr sonnig und entsprechend hochsommerlich heiß war, hatte es sich diesmal am Samstag-Nachmittag dagegen zeitweise schon zugezogen, sodass später am Nachmittag und auch zum Abend hin einige Tropfen fielen.
Leider scheinen auch in Büdingen, wie bei vielen Festen und vergleichbaren Veranstaltungen, die Besucherzahlen trotz des sehr attraktiven Programms insbesondere mit dem großen Turnier – aus unterschiedlichen Gründen (Sicherheitsbedenken, wirtschaftliche Faktoren etc.) – etwas nachgelassen zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend, der sich bereits beim letzten Mittelalterfest im Jahr 2023 andeutete, bei der nächsten Auflage des Mittelalterfestes wieder umkehren lässt.