Handwerk, Artistik und Kurzweyl im Klosterhof – 17. Zunft- und Handwerkermarkt in Seligenstadt
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Das hessische Seligenstadt zeigte sich am letzten Mai-Wochenende wieder einmal von seiner traditionsreichsten Seite.
Der vom Verein Klatschmohn alle zwei Jahre veranstaltete Zunft- und Handwerkermarkt lockte auch im Jahr 2026 erneut tausende Besucher in den idyllischen Klosterhof um die ehemalige Benediktinerabtei im Zentrum der Altstadt unweit vom Mainufer.
Nach zunächst eher trübem Beginn, hellte es sich zunehmend auf, sodass die Veranstaltung ab dem Samstag-Nachmittag bei bestem Frühlingswetter und Sonnenschein bis in den Abend hinein stattfinden konnte.
Zwischen Mühlgraben, Klostermauern und unter alten Bäumen präsentierten über hundert Handwerker aus den unterschiedlichsten Gewerken und Zünften ihr Können und ihre jeweiligen Kunstfertigkeiten.
Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Fliesenleger oder Weißbinder zeigten ihre Sachkunde rund um den Bau. Schmiede ließen Funken sprühen. Dazu kamen Seifensieder, Wagner; Schuhmacher, Seiler, Töpfer oder Filzer.
Ein Pflasterer präsentierte wie der Belag von Straßen und Plätzen in historischer Zeit entstand. Polsterer zeigten hingegen wie abgenutzte Sitzmöbel wieder in einen brauchbaren Zustand zurückversetzt werden können. Auch Einblicke in die landwirtschaftlich genutzte Gerätschaft und die zugehörigen Werkstätten wurden an einigen Stellen gewährt.
Zahlreiche Kunsthandwerker wie Glasbläser und Schmuckgestalter aus den verschiedenen Kategorien waren ebenso zugegen. Dazu kamen etliche Händler, die auf dem Markt ihre jeweiligen Produkte präsentierten. Hierzu gehörten u. a. Gewürzhändler, Bürstenmacher; Messerschmiede, Pinselmacher, Lederer und Korbflechter. So wurde auch die Zeit der historischen Kaufmannszüge, die für die Einhardstadt prägend waren, ein Stück weit wieder zum Leben erweckt.
Aus dem Kräutergarten des Klosters werden Gewürz- und Küchenkräuter oder auch Blumenschmuck angeboten. Wie verschiedene Greifvögel für die klassische Beizjagd eingesetzt wurden, offenbarten darüber hinaus ein Falkner und seine gefiederten Freunde. Einige Räume der Abtei und des Museums waren ebenfalls in das Festgeschehen und in die zahlreichen Vorführungen einbezogen.
Natürlich wurde zur "Kurzweyl" der Gäste auch wieder ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Gauklern, Musikanten und Artisten und einer lebendigen Mischung aus Musik, Artistik und Humor geboten.
Eine besondere Rolle spielte dabei in diesem Jahr das "Trio Feuerzirkus". Bereits am Nachmittag zeigten die Künstler auf der großen Wiese eine artistische Vorstellung, die Elemente aus Jonglage, Akrobatik sowie Hula Hoop und Luftartistik miteinander verband.
Immer mal wieder tauchten sie später als Walk Act mitten im Marktgeschehen auf, um Kinder wie Erwachsene mit ihren Interaktionen zu erfreuen oder auch für ein Foto zur Verfügung zu stehen.
Mit historischen Klängen und "allerlei Getröte" unterhielt u. a. die Gruppe "Ranunculus" auf historischen Instrumenten wie Dudelsack, Laute, Trommeln, Drehleier, Geige oder Nyckelharpa.
Das Künstler- und Musikduo "Zeitensprung", bestehend aus dem Zauberkünstler Dr. Andreas Thelen (Severinius) und dem Musiker Jürgen Thelen, verband bei seinen verspielten und virtuosen Auftritten auf der großen Bühne historische Musik mit Artistik.
Ein Höhepunkt war hierbei sicherlich die anschaulich bebilderte Moritat über das Leben, die Untaten und das Sterben des gar schrecklichen Räuberhauptmanns Schinderhannes.
"Jo der Gaukler" und der Zauberkünstler "Jan Gerken" wussten mit ihren diversen Kunststücken besonders die jüngeren Besucher zu begeistern.
Mit einem historischen Karussell oder dem "Puppentheater der Stadtgeschichte" gab es darüber hinaus weitere Attraktionen für die Kinder.
Mit zahlreichen deftigen Speisen und süßen Leckereien war für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Es gab Stände mit Handkäs, Schmandbrote, Gugelhupf, Blechkuchen, Waffeln oder Kaffee. Gereicht wurden auch Fladenbrote, Würste, leckerer Braten sowie Forellen aus Seligenstädter Teichen.
Gegen den Durst halfen u. a. frisch gezapftes Seligenstädter Bier von der ortsansässigen Glaabs-Brauerei aber auch edler Wein aus alten Klosterlagen.
Zum abendlichen "Spectaculum" auf der großen Wiese zeigten sich zunächst nochmals zahlreiche der anwesenden Künstler und Gruppen mit kurzen Auftritten. Die Feuershow des "Trio Feuerzirkus" bildete dann den Höhepunkt und das fulminante Finale des Markt-Samstags.
Flammenwirbel, Funkenregen, brennende Seile und perfekt choreografierte Abläufe verwandelten die Wiese in eine feurig-flackernde Bühne. Dabei wurde der Feuerzauber zeitweise auch schon mal Luft-artistisch am Trapezrahmen in größere Höhen verlegt.
Der eindrucksvolle Auftritt der Gruppe wurde nach Abschluss und kleiner Zugabe von der faszinierten Menge mit lang anhaltendem und begeistertem Applaus belohnt.
Der Zunft- und Handwerkermarkt Seligenstadt 2026 zeigte insgesamt eindrucksvoll, wie lebendig Tradition sein kann. Zwischen Handwerk, Musik und Gaukelei entstand bei dem Event eine Atmosphäre, die Seligenstadt und die Besucher der Veranstaltung jedes Mal aufs Neue in eine andere Zeit zu versetzen vermag. Wer einmal hier war, kommt gerne wieder – nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen des besonderen Gefühls, das dieser einzigartige Markt vermittelt.